Interview mit FAN-Stammtisch Mitglied Josef Eberli

Interview mit Josef Eberli (Projektbegleitung seitens Kanton 2005–2016)

Josef Eberli, Sie haben den Hochwasserschutz Buoholzbach über viele Jahre begleitet. Was waren beim Start des Ausbauprojektes ab dem Grossereignis 2005, die grössten Herausforderungen?

Das Ereignis von 2005 ist bis heute das schweizweit grösste Schadenereignis durch Naturgefahren (über 3 Mia. Franken Schaden). Das Zentrum des Ereignisses lag in den zentralen Voralpen und damit über Nidwalden. Neben der Ereignisbewältigung (2005–2008) wurden in Nidwalden 2005 viele zusätzliche Projekte zur Reduzierung der Gefährdung durch Naturgefahren gestartet; so auch das Projekt Buoholzbach der Gemeinden Oberdorf und Wolfenschiessen. Die grösste Herausforderung war, trotz der hohen zeitlichen Belastung die fachlich korrekte Umsetzung aller Sofortmassnahmen und Projekte zu gewährleisten. Das Projekt Buoholzbach wurde wie üblich als partizipatives Projekt gestartet und die erste Projektsitzung fand somit gemeinsam mit den betroffenen Grundeigentümern statt. Eine weitere Herausforderung lag darin, die Erkenntnisse aus der schweizweiten Ereignisanalyse, bei der Nidwalden intensiv mitarbeitete, in die neuen Projekte einfliessen zu lassen

Wenn Sie heute auf die Baustelle blicken: Gibt es Elemente der ursprünglichen Projektidee, die Sie bis heute wiedererkennen?

Die lange Vorgeschichte. Das Projekt reicht in seiner fachlichen Auseinandersetzung bis in die 1980er Jahre zurück, wurde nach dem Unwetter 2005 grundlegend neu beurteilt und hat seither mehrere Varianten durchlaufen – vom ursprünglich favorisierten Schutzdamm bis zum heute gebauten Geschieberückhalteraum. Diese Entwicklung zeigt exemplarisch, wie sich Risikobeurteilungen mit neuen Erkenntnissen, neuen Modellen und auch durch gesellschaftliche Mitspracheprozesse verändern können. Zudem ist die Doppelproblematik Geschiebe / Murgang am Buoholzbach fachlich besonders anspruchsvoll: Es geht nicht nur um Hochwasser, sondern um sehr viel Gestein und Geröll aus einer Rutschung im Einzugsgebiet.

Gibt es vergleichbare Projekte in der Region? Wo liegen die Unterschiede?

Das heutige Projekt entspricht konzeptionell der früheren Bestvariante. Im Gegensatz zur früheren Bestvariante erfolgt der Geschieberückhalt nun jedoch weiter oben auf dem Schwemmkegel. Dies ist aufwändiger und kostenintensiver. Aufgrund des sehr grossen Schadenpotentials in der linken Talebene ist aber auch diese Variante sehr wirtschaftlich. Die Verschiebung ist wohl den Interessen der Industriezone geschuldet.

Was bedeutet es für Sie persönlich, ein Projekt nach so vielen Jahren nun in der Umsetzung zu erleben?

Ich war von 1997 bis 2016 verantwortlich für den Hochwasserschutz in Nidwalden. Beim neuzeitlichen Hochwasserschutz ging und geht es darum, die grössten Risiken prioritär zu beseitigen. Diese Prioritätenabfolge kann aber aufgrund der jeweiligen Konstellationen nicht immer eingehalten werden. Das prioritäre Projekt Buoholzbach der Gemeinden Oberdorf und Wolfenschiessen verzögerte sich aufgrund des unüblich schwierigen Beteiligungsprozesses immer weiter. Es ist deshalb sehr erfreulich, dass das grösste verbliebene Hochwasserrisiko in Nidwalden mit der laufenden Verbauung nun bald beseitigt sein wird. Ich bin meinen Nachfolgern sehr dankbar, dass sie dieses prioritäre Projekt in nochmals rund 10 Jahren mit Engagement weitergeführt und bis zur Realisierung durchgezogen haben.

Interview nach der Begehung


Welchen Eindruck hat die heutige Begehung bei Ihnen hinterlassen?

Das Ausführungsprojekt ist sehr gut durchdacht und die Umsetzung ist gut geplant. Auch die Baustellenlogistik der Unternehmer macht einen guten Eindruck.

Hat sich das Projekt so entwickelt, wie Sie es sich in Ihrer jeweiligen Projektphase vorgestellt haben?

Abgesehen von der bergseitigen Verschiebung des Rückhalteraumes enthält das Projekt weiterhin alle Elemente eines neuzeitlichen Wasserbauprojektes und ist wie gesagt gut durchdacht. Elemente, die im Vorprojekt erst angedacht waren, sind im Ausführungsprojekt nun durchgeplant und für mich so neu. Das Projektteam hat diese Elemente, wie zum Beispiel Naherholung und Wiederbewaldung, gut und gelungen umgesetzt. Es ist eine Freude dieses sehr gut geplante und umgesetzte Projekt zu besichtigen.

Was wünschen Sie dem Projekt und der Region für die verbleibenden Baujahre?

Ich wünsche allen am Bau Beteiligten weiterhin eine logistisch gute Umsetzung und möglichst wenig Probleme. Insbesondere wünsche ich dem Team, dass das Werk ohne Unwetterereignisse zielgerichtet fertiggestellt werden kann.

Der Region gönne ich, dass das Naturgefahrenrisiko bald deutlich reduziert ist und dass die Einwohner und die Wirtschaft dadurch vor Schäden bewahrt werden und gut prosperieren können. Ich hoffe auch, dass die zusätzlichen Gewinne des Projektes, wie die neue Brücke über die Engelberger Aa oder der neu entstehende Naherholungs- und Naturraum, der Bevölkerung viel Freude bereiten.

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